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Das Jahr 1903/1904
Generalversammlung am 19. April im Vereinslokal
Tagesordnung:
1. Verlesung des Jahresberichts
2. Rechnungsablage
3. Wahlen
4. Sonstiges
Der Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 28
aktiven Mitgliedern, es fehlen zwei. Nach Verlesung des Jahresberichts
werden die Kameraden D. Behnke und G. Hopp zu Rechnungsprüfern gewählt,
welche die Rechnung für richtig befinden, worauf der Kassierer
Entlastung erhält. Darauf werden der Hauptmann und dessen Stellvertreter
einstimmig wiedergewählt, auch die Führer der einzelnen Abteilungen. Dem
Ehrengericht gehören künftig an, die Kameraden R. Hopp, Robien,
Jochimsen und Behnke. Hinsichtlich der Übungen wird beschlossen,
dieselben nach dem 1. Mai tunlichst am Sonnabend, abends abzuhalten.
Betreffs der Vergnügen wird alles dem Vorstand überlassen.
Maas, Schriftführer
Geübt wurde am 9. und 19. April, am 16., 23. und 30. Mai und am 20.
Juni. Für die Übung am 30. Mai stellte Herr Steffen seine Kapelle
wiederum unentgeltlich zur Verfügung. Am 20. Juni wurde in Verbindung
mit der Zwangswehr geübt. Dem diesjährigen Kreisfeuerwehrfest, das in
Dahme am 7. Juni abgehalten wurde, wohnten die Herren Harms, sen. und
jun. und Nachtigall bei. Das Scheibenschießen mit Ball am 21. Juni wurde
vom schönsten Wetter begünstigt. Am Schießen beteiligten sich 39
Personen. Die Königswürde fiel dem Kameraden Bedei mit 52 Ringen zu, die
der Hauptmann für ihn schoß.
In der Nacht zum 6. Juli wurde die Wehr wieder zu ernster Tätigkeit
gerufen. Es brannte Scheune und Stall des Gastwirts Pries in
Gremersdorf. Da von den brennenden Gebäuden nichts zu retten war, so
mußte man sich auf den Schutz der Nachbargebäude beschränken. Leider
kamen zwei wertvolle Pferde und einige Schweine in den Flammen um.
Sicher liegt hier Brandstiftung vor, denn an dem einige Wochen vorher
stattgefundenen Kindervergnügen war von ruchloser Hand versucht worden,
die Scheune an mehreren Stellen in Brand zu setzen, was jedoch
rechtzeitig bemerkt worden war.
Am folgenden Nachmittag wurde abermals Alarm geblasen. Dieses Mal war es
glücklicherweise nur ein Rübenstrohdiemen, nämlich der des Herrn Albert,
Techelwitz, der unmittelbar am Gehöft stand. Nur dem unmittelbar vorher
reichlich gefallenen Regen und dem südwestlichen Wind war es zu danken,
daß die große Scheune nicht gefährdet war. Nach etwa einer Stunde konnte
man wieder abrücken. Über die Entstehung des Feuers ist man
verschiedener Ansicht. Möglich ist es ja, daß es von spielenden Kindern
verursacht ist, denn schwerlich wagt es ein vernünftiger Mensch, am
lichten Tag dort Feuer anzulegen. Doch Schwamm drüber, freuen wir uns,
daß die ganze Geschichte so glimpflich verlaufen ist.
In der Nacht zum 14. Juli brannte es abermals in Gremersdorf und zwar
die Scheune des Hufenpächters Kohlscheen, was hier jedoch nicht bemerkt
wurde.
Eine Übung fand am 11. Oktober statt. Der Ball am 17. Oktober verlief in
fröhlicher Weise. Freudig überrascht wurden die Teilnehmer durch einen
Cotillon (Gesellschaftsspiel mit Tanzbewegungen als Höhe- oder
Schlußpunkt eines Tanzvergnügens), zu welchem der Herr Hauptmann die
erforderlichen Artikel hatte kommen lassen.
Am 9. November, zwischen 6 und 7 Uhr abends, wurde unsere ganze Gegend
plötzlich von einer unheimlichen Röte erhellt. Als alles bestürzt ins
Freie eilte, gewahr man, daß die große Scheune unseres Herrn
Amtsvorstehers ihrer ganzen Länge nach in Flammen stand, ein schaurig
schöner Anblick. Glücklicherweise konnte das Vieh bis auf wenige
Schweine gerettet werden, wenn auch nur mit Lebensgefahr. Sämtliches
lebloses Inventar und die ganze Ernte, ebenso ein in der Nähe stehendes
Stallgebäude wurden ein Raub des gierigen Elements. Da der Beschadete
mit Inventar und Ernte nur niedrig versichert war, so erleidet er durch
diesen Brand einen empfindlichen Verlust. Zum Glück drehte sich der Wind
bald nach Ausbruch des Feuers etwas vom Süden nach Westen, sonst wäre
Nachbar Karks Scheune bei dem Funkenregen wohl nicht mehr zu retten
gewesen und auch unsere Schule hätte durch Flugfeuer ernstlich gefährdet
werden können. Wahrscheinlich ist es dem neuen Schilfdach zu danken, daß
die Scheune verschont blieb, da Schilf oder sogenannt "Ketti", wie man
den Abend beobachten konnte, sich nur schwer entzündet. Am folgenden
Abend mußte die Wehr, da das Feuer noch nicht abgelöscht war, von 6 - 10
Uhr wieder in Tätigkeit treten.
Im Gut Klausdorf brannte am 17. Januar zwischen 6 und 7 Uhr abends eine
Kate ab. Da telephonische Verbindung des Feiertags halber nicht zu
erhalten war und man annahm, daß das Feuer in Neurathjensdorf sein
müßte, so wurde ausgerückt, im genannten Ort jedoch umgekehrt.
Im Februar wurde das zur Arbeiterwohnung eingerichtete frühere Schulhaus
in Jahnshof in Asche gelegt. Als man dort unsere Spritze in Tätigkeit
setzen wollte, waren zwei Schläuche unmittelbar hinter der Verkopplung
reichlich halb durchgeschnitten. Wann und von wem dieses geschehen ist
läßt sich wohl schwerlich feststellen. Jedenfalls ist es kurze Zeit
vorher von ruchloser hand verübt worden, denn eines Morgens nach einem
heftigen Sturme fand man die beiden Türen des Spritzenhauses geöffnet
und zurückgehakt vor. Wahrscheinlich liegt hier ein Racheakt vor.
Rätselhaft ist auch folgender Vorfall. Auf der Fahrt nach
Neurathjensdorf anläßlich des Feuers im Gute Klausdorf war ein Teil
unserer Laterne verloren gegangen. Einige Wochen später fand man das
Stück auf dem Laken der Spritze liegend. Wie es dahin gekommen ist,
vermag niemand zu sagen. Beide Fälle sind übrigens zur Anzeige gebracht
worden.
Die Jahresrechnung ergibt::
Einnahme:
184,38 Mark
Ausgabe:
128,60 Mark
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Kassenbestand:
55,78 Mark
Techelwitz, den 10. April 1904
Maas, Schriftführer |
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