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Das Jahr 1898/99
Das Rechnungsjahr 1898/99 erreichte seinen
Abschluß mit der am 17. April stattfindenden Generalversammlung. Nach
voraufgegangener Übung versammelten sich die Aktiven und ein Teil der
sozialen Mitglieder im Lokal des Herrn Nachtigall in Techelwitz.
Zunächst wurde vom Schriftführer das Protokoll verlesen. Bemängelungen
traten nicht ein. Danach erfolgte die Rechnungsablage. Als Revisoren
fungierten die Herren Stück und Plath, welche die Rechnungen in
Einnahmen und Ausgaben für richtig befanden, worauf dem Rechnungsführer
Deforge erteilt wurde. Damit war der offizielle Teil der Tagesordnung
erledigt und der zwanglose - gemütliche nahm seinen Anfang. Der edle
Gerstensaft, Gesang und fröhliche Unterhaltung fesselte die Teilnehmer
noch bis zu später Stunde. Aufgenommen wurden zwei neue passive
Mitglieder.
Die Übungen in diesem Jahr wurden, man möchte
sagen, mit noch größerer Energie als im Vorjahr betrieben, einesteils
der weiteren Ausbildung, anderenteils auch deswegen, um sich an dem in
Heiligenhafen stattfindenden Kreisfeuerwehrfest mit Ehre in Corpore
beteiligen zu können. Übungen fanden statt am 15. April, 21. Mai, am
Himmelfahrtstag, am 6. Juni, 13. Juni, 24. Juni, 17. September und am 6.
November 1898. Am 24. Juni fand eine Abteilungsübung mit dem Zubringer
statt. Dieser war einer gänzlichen äußeren Verwandlung unterzogen und
zum Abprotzen eingerichtet worden. Die Einrichtung erwies sich als
außerordentlich solide und praktisch. Mit dem 6. November sollten die
Übungen für diesen Winter eingestellt werden. Die Wehr legte sich in den
Winterschlaf und auch unserer eifriger Spritzenmeister hatte die ihm
anvertrauten Pfänder fein säuberlich für den Winter in Ordnung gebracht.
Kein Feuerwehrhelm ließ sich mehr blicken, zur Freude oder zum Ärger
neugieriger Augen.
Da brach plötzlich Feuer aus dem Kuhstall des Herrn Storm. Es war am 3.
Dezember morgens 3 Uhr. Ein orkanartiger Wind hatte sich als mächtige
Schwester dem Feuer zugesellt und entfachte es zu furchtbarer Glut. Als
die ersten Menschen helfend auf der Brandstelle erschienen, war
sämtliches Vieh bereits ein Opfer des furchtbaren Elements geworden. Ein
furchtbarer Anblick bot sich unserem Kameraden Behnke, der als erster
die Tür des Viehhauses aufriß. In langer Reihe lagen 21 Stück Milchvieh,
die noch gestern ihres Herren Stolz gewesen, tot, versengt
nebeneinander. An ein Retten war hier nicht zu denken. 21 Kühe, 18
Schweine, sämtliches Federvieh, mit Ausnahme einiger Tauben, ca. 50
Tonnen Weizen, ein großes Quantum Kleeheu, Kartoffeln, Brennmaterial,
etc. waren die Beute des Feuers geworden. Die rasch herbeigeeilte
Feuerwehr konzentrierte ihre Tätigkeiten auf die Rettung der großen,
erst im Vorjahr aus der Asche entstandenen Scheune. Selbst Frauen, unter
anderem auch die unseres Hauptmanns, griffen an den Spritzenbaum, weil
die Not groß und die Mannschaft wegen der Kürze der Zeit und des
herrschenden Sturms, der ein Alarmieren erschwerte, erst in geringer
Anzahl zur Stelle war. Man hätte glauben sollen, dieser Anblick hätte
alle Männer, die noch nicht alles Gefühles bar, und ein menschliches
Herz in der Brust haben, zur freudigen Einsetzung aller Kräfte antreiben
müssen. Man müßte sonst ja annehmen, daß das Märlein vom Stein in der
Brust zur Wahrheit geworden wäre. Den vereinten Anstrengungen gelang es,
der weiteren Ausbreitung des Feuers zu wehren.
Die letzte Übung fand am 18. März statt. Aber nicht nur Arbeit, sondern
auch Genuß und Freude sollte das Rechnungsjahr 1898/99 bringen. Das
Sommervergnügen fand im Vereinslokal des Herrn Nachtigall statt. Es war
ein Sonntag hell und klar, so hieß es zu Anfang desselben und Gott
Plurins, der sonst im Juni-Monat sein befruchtendes Naß in überreicher
Fülle gespendet hatte, schien ein Einsehen zu haben, mit den neuen
Gala-Joppen, die an diesem Feste zum ersten Male getragen wurden. Was er
jedoch am Tag versäumte, holte er am Abend gründlich nach, ohne jedoch
das Vergnügen stören zu können. Das Fest verlief ohne jeden Mißton.
Acht Tage später am 3. Juli beteiligte sich die Wehr an dem
Kreisfeuerwehrfest in Heiligenhafen und zwar in Corpore. Von der
Steffenschen Kapelle wurde sie empfangen und mit Musik in die Stadt
geführt. Diese selbst hatte alles aufgeboten, es ihren Gästen angenehm
zu machen, nur gutes Wetter hatten sie bei Petrus rechtzeitig zu
bestellen vergessen, es regnete und donnerte in einem fort. Die Nässe
von außen aber wurde durch kräftigen Aufguß von innen parallelisiert und
so verlief auch dieses Fest zu aller Zufriedenheit.
Das Wintervergnügen war am 23. Oktober in der Prießschen Wirtschaft in
Gremersdorf. Ein Rückblick auf das verflossene Jahr zeigt uns, wie die
Wehr eifrig bemüht war, sich weiter auszubilden und das das geschehen
sein muß, bewiesen die Gratifikationen von der Aachen-Münchener
Gesellschaft und der Colonia in Höhe von je 50 Mark. Aber nicht nur
innerlich, sondern auch äußerlich hat die Wehr gewonnen, indem
hauptsächlich für festliche Zwecke sog. Extra-Röcke angeschafft sind.
Die Kassenverhältnisse der Wehr sind beim Jahresschluß keineswegs als
besonders günstig zu bezeichnen.
Der Rechnungsschluß zeigt folgende Bilanz.
Bilanz pro 1898/99
Einnahme
660,55 Mark
Ausgabe
668,95 Mark
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Defizit
8,40 Mark
Die tatsächlich Unterbilanz des Rechnungsjahres
beträgt mit Berücksichtigung des Vorschußes von Herrn Harms 212 Mark. |
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